Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus - Ausstellung in der Alten Post

Veröffentlicht am 17.1.2026

Eine begehbare Installation im Eingangsraum machte sofort klar, worum es den Schüler:innen geht: die Entmenschlichung, die Zerstörung der Seele der Verfolgten in ihrer Kunst begreifbar machen. Auch viele andere Bilder und Installationen beschäftigten sich mit der Unsichtbarkeit der Verfolgten durch Enteignung, Vertreibung und Deportation, die von den Nazis systematisch betrieben wurde. Im KZ selbst verloren die Opfer ihre Namen, ihre Haare, ihre Seele. Die Schüler:innen verarbeiteten ihre Eindrücke sehr unterschiedlich in Bildern, z. B. dem Triptychon „Gejagt bis zur Unsichtbarkeit“ , ebenfalls in der Eingangshalle zu sehen, oder in Collagen aus Fotos, Texten und Gegenständen sowie in einer Installation, in der ein schwarzer Zug durch eine triste Landschaft fährt, in der verlorene persönliche Gegenstände verstreut liegen. Hinter jeder Arbeit stecken weitreichende Überlegungen, die sich teilweise erst erschließen, wenn man sich diese von der Schülerin oder dem Schüler erklären lässt. Auch die Schicksale von besonderen Persönlichkeiten wie Janusz Korczak, der im Warschauer Ghetto ein Kinderheim leitete, oder der Jüdin Dina Babbitt, die aufgrund ihrer Fähigkeit, Portraits zu zeichnen, überlebte beschäftigten die Schüler:innen. In weiteren Arbeiten wurden Juden aus Neuss portraitiert, oder das Schicksal von Kindern im Holocaust beleuchtet. Aber auch der Umgang mit dem Gedenken in heutigen Generationen wird von einer Schülerin thematisiert, die ein „blödes Kichern“ von jugendlichen Besuchern in der Gedenkstätte Auschwitz zu einem der ausgestellten Werke mit dem Titel „Vergessen tötet ein zweites Mal“ inspirierte.

Im Rahmen der Projektwoche entstanden auch insgesamt fünf Facharbeiten, die in der Alten Post ausliegen und sich unter anderem mit dem Schicksal von Frauen und Kindern in Auschwitz beschäftigen, die oft Experimenten und Zwangsprostitution ausgesetzt waren. Eine Arbeit beschäftigt sich mit der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, eine andere mit dem polnischen Konzentrationslager Plaszów. Es lohnt sich, sich auch diese genauer anzusehen.

Eröffnet wurde die Ausstellung von Schulleiterin Britta Heiermann und Katja König, Leiterin der Schule für Kunst und Theater im Kulturforum Alte Post. Beide dankten den Schüler:innen des 13. Jahrgangs ausdrücklich dafür, die Erinnerung an die grausamenVerbrechen des Naziregimes wachzuhalten. Ein besonderer Dank galt Sabine Goetzeler und Reiner Kutschki, die die Schüler:innen während der Projektwoche betreut und unterstützt haben. Als Vertreterin der Stadt Neuss begrüßte die Beigeordnete für Jugend, Bildung und Kultur, Ursula Platen, die Anwesenden. Ihr ist das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auch persönlich ein besonderes Anliegen. Sie würdigte ausführlich die Arbeit der Schüler:innen, Lehrer:innen und der Vertreter des Kulturforums Alte Post, die zur Entstehung dieser Ausstellung beigetragen haben.

Für die Schüler:innen sprachen Mira und Nele darüber, wie die in Auschwitz gewonnenen Eindrücke sie erschüttert und verstört haben und ihnen sehr deutlich machten, wie wichtig es ist, dass die grausamen Taten nicht in Vergessenheit geraten.

Unterstützt wurde die Projektwoche durch den Reuschenberger Heimatverein, vertreten durch Marlene Conrads, sowie die Firma Westnetz. Wir danken ausdrücklich für die finanzielle Hilfe, die es erst möglich macht, diese wichtige Projektwoche durchzuführen.

von Ina Purcell